Schon bevor mein Kind auf der Welt war hörte ich vom „Kinder vergleichen“. Was es damit auf sich hat war mir zu diesem Zeitpunkt aber nicht klar…

Wie viele andere schwangere Frauen las ich schlaue Mama Ratgeber. Beim ersten Kind ist man unerfahren. Es ist wie ein neues Leben, welches am Tag der Geburt beginnt. Aufgrund dessen möchte man so informiert und aufgeklärt wie möglich sein. In vielen dieser Ratgeber stand wann das Kind welchen Meilenstein erlernt oder vielmehr erlernen sollte.

Die ersten Meilensteine mit Baby

Wie stolz eine Mutter ist, wenn das kleine zauberhafte Wesen, welches erst wenige Wochen alt ist, die ersten neuen Fähigkeiten erlernt, brauche ich euch ja nicht zu erzählen. Den noch nicht Mamas sei gesagt: „Man ist unendlich stolz. So stolz, dass das ein oder andere Mal auch ein paar Tränen fließen.“ Das erste Lachen, das erste Greifen, den Kopf selber halten oder das erste Mal alleine drehen. Momente, an die man sich wohl ewig erinnern wird.

Erfüllt mit ganz viel Liebe und stolz wie Oskar erzählt man Familienmitgliedern und Freunden was das eigene Kind denn Neues gelernt hat. Alle freuten sich mit uns und so gab es bei jedem Meilenstein auch ein passendes Bild oder Video was verschickt wurde.

Nichtsahnend, dass nicht alle Menschen so reagieren würden, sprach ich auch mit Müttern aus meinem Rückbildungskurs darüber.

Ich konnte ja nicht ahnen…

Vorweg, ich begann meinen Kurs 8 Wochen nach der Geburt meines Sohnes. Zu diesem Zeitpunkt muss ein Kind meiner Meinung nach nun wirklich nicht viel können.

Zwei Frauen aus meinem Kurs sahen das wohl anders. Nach 8 Wochen wurde ich nun tatsächlich zum ersten Mal mit dem Satz „Also mein Kind konnte mit 8 Wochen schon x und y. Kann deins das denn auch?“, konfrontiert. Und nein, mein Kind konnte diese Fähigkeiten zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Nur gut, dass man von den Müttern mit dem Satz „Keine Sorge, das kommt schon noch“, beruhigt wurde. Um ehrlich zu sein war ich in diesem Moment völlig überfordert. Nicht, weil ich mir Sorgen machte, dass mein Kind manche Dinge noch nicht konnte, sondern weil ich mich fragte: „Warum muss man seine Kinder auf diese Art und Weise vergleichen?“ Ich dachte nur Männer führen einen „primären Geschlechtsmerkmal Vergleich“ durch.

Dies war jedoch nur der Anfang meiner Konfrontationen mit diesem Satz. Ich habe das Gefühl, je älter das Kind wird, desto häufiger treten die Art Vergleiche auf. Besonders beim Thema krabbeln oder laufen kamen doch vermehrt Nachfragen oder Kommentare wie „Waaas? Immer noch nicht?!“.

Warum werden Vergleiche gezogen?

Diese Frage habe ich mir nach den ersten Malen oft gestellt. Ist es die eigene Verunsicherung? Oder doch eher das eigene Ego was sich profilieren muss? Ich sehe das zweigeteilt. Vielleicht ist es eine Mischung aus Beidem. Wir leben in einer Gesellschaft in der das Eltern sein erfolgreich verlaufen muss. Kinder die irgendwie keine Kinder mehr sein sollen/dürfen. Es wird einem dazu geraten das Kind so früh wie möglich zu fördern. So passiert es doch recht häufig, dass ein Kleinkind einen volleren Terminkalender hat als manch ein Erwachsener. Kinder müssen funktionieren. Tun sie dies nicht, haben die Eltern versagt.

Ich denke trotzdem, dass diese Vergleiche in der Form nicht sein müssen. Statt zu vergleichen sollte man viel mehr lernen, zu berichten. Dieser kleine aber feine Unterschied, führt dazu, dass so manche Konversation gleich viel angenehmer verläuft. So kann dem Gegenüber ein „Das ist aber toll/schön“, auch viel leichter über die Lippen gehen.

Jedes Kind hat seinen eigenen Zeitplan

Genau das wissen wir doch eigentlich alle und doch lässt man sich immer wieder leicht unter Druck setzen. Dieser Druck bringt uns Mamas aber nicht weiter. Er versperrt viel mehr die Sicht auf das eigene Kind. Kinder sind genau wie wir Erwachsenen Individuen. Sie lernen unterschiedlich schnell. So ist das eine Kind motorisch vielleicht schon weiter, das andere Kind fängt dafür früher an zu sprechen. Jede Entwicklungsphase hat einen bestimmten Rahmen, den jedes Kind zu einem individuellen Zeitpunkt erreicht. Das wichtigste ist wohl dies zu zulassen und nicht mehr zu fordern als möglich ist. Denn wie heißt es so schön

„Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht“.

Wenn tatsächlich etwas auffällig ist, kann man sich immer noch mit seinem Kinderarzt zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammensetzen und an dem „Problem“ arbeiten.

Seid stolz auf euch und eure Kinder

Unsere Kinder sind so wie sie sind, genau wie wir. Sie müssen nicht genauso schnell lernen wie Andere. Das Leben ist kein Wettkampf und das sollten wir ihnen vorleben. Das wichtigste ist doch, dass wir hinter ihnen stehen. Jedes Kind ist auf seine ganz eigene Art und Weise wundervoll und das sollten wir sie wissen lassen.

Alles Liebe

Janina ❤