Für viele Frauen nicht vorstellbar, für mich die beste Entscheidung in meinem Leben.

Die meisten gehen wohl eher den klassischen Weg. Erst Studium/Ausbildung, danach ein paar Jahre im Job arbeiten, die Welt bereisen und dann kann das Kind kommen. Durch diesen Weg verschiebt sich automatisch auch das Alter der werdenden Mutter nach hinten.

Laut Statistischem Bundesamt lag das Durchschnittsalter der Erstgebärenden 2016 bei 29,3 Jahren. Mein erstes Kind bekam ich kurz vor meinem 24. Geburtstag und lag damit über 5 Jahre unter dem Durchschnitt.

Für mich absolut perfekt, für viele in der Gesellschaft ein Tratschthema. Von den Vorurteilen jung Mama zu werden und den Unterstützern erzähle ich euch jetzt. Meine persönlichen Erfahrungen:

 

Vorurteile und Anfeindungen

Wie das so immer ist, kann man es nicht jedem Recht machen. Die einen finden es gut jung Eltern zu werden, andere können es absolut nicht nachvollziehen. Doch auch wenn man selbst nicht so ein Leben führen möchte, kann man doch akzeptieren und tolerieren, dass andere sich für diesen Weg entscheiden. So ist zumindest meine Auffassung vom Leben. Das sehen leider nicht alle Leute in unserer Gesellschaft so.

In Kursen war ich definitiv immer die Jüngste, was mich aber nicht gestört hat. Die Mütter dort waren alle sehr nett und man konnte sich trotz Altersunterschied immer toll austauschen. So hat man ja auch, egal wie alt man zu dem Zeitpunkt war, genau das gleiche erlebt: Ein Kind geboren.

Doch außerhalb von Kursen sieht das Leben schon etwas anders aus. Leider musste ich in den letzten 2 ½ Jahren viele negative Erfahrungen machen, wenn es darum geht jung Mutter zu sein und akzeptiert zu werden. Abgesehen von kritischen Blicken, erntete ich auch vermehrt Sprüche, die wie ich finde, oftmals einfach zu weit gehen. Erst vor ein paar Wochen berichtete mir meine Schwiegermutter in spe von einer Bekannten, die uns indirekt als „asozial“ betitelte, weil wir mit 25 unser zweites Kind erwarten. Da saß ich nun, in einem Restaurant, mit einem dicken Kloß im Hals. Asozial, weil man sich für einen geringen Altersunterschied entscheidet und ein zweites Wunder auf diese Welt setzt mit 25? Ich konnte nicht fassen, was ich da gerade gehört habe. Dies war auch der Auslöser für meinen Beitrag. Viel zu lang habe ich dieses Thema totgeschwiegen.

Gedanken kreisten in meinem Kopf voller Unverständnis und Kritik an unserer Gesellschaft. Noch vor 30 Jahren war es völlig normal, wenn eine Frau sich für ein Kind Anfang 20 entschied. Es wurde gesellschaftlich akzeptiert, denn die Mehrheit tat es. Wie konnte es so weit kommen, dass man heut zu Tage angefeindet oder gar als asozial betitelt wird? Andere Sprüche wie „Also ihr habt ja nicht einmal einen Abschluss“ oder die ständige Frage nach der Finanzierung sind dagegen ja noch wirklich „freundlich“. Wer entscheidet denn darüber was die Norm ist? Wer legt diese fest? Ist die Entscheidung ein Kind zu bekommen, nicht etwas Persönliches?

In der ersten Schwangerschaft, haben mich solche Aussagen und die Blicke wirklich runter gezogen. Doch heute ist das anders. Würde mir jemand persönlich solch einen Satz entgegenbringen, kann ich keiner Diskussion mehr aus dem Weg gehen. Ich würde gerne wissen, was in den Köpfen solcher Menschen vorgeht. Natürlich gibt es junge Eltern, die nicht „bereit“ für ein Kind sind ABER diese Eltern gibt es auch in den anderen Altersklassen. Egal ob 20, 25, 30 oder 40, wir alle müssen in unsere Rolle hineinwachsen und lernen. Kein Profi ist vom Himmel gefallen. Genau deshalb lasse ich mich aufgrund meines Alters nicht mehr in eine Schublade stecken. Ich bin eine liebende Mutter, die alles für ihr Kind tun würde, so wie die meisten Mütter eben. Genau als diese sehe ich mich, denn für das Muttersein gibt es kein perfektes Alter. Dieses schwarz-weiß Denken ist nicht meine Art und wird es nie sein.

Manchmal dachte ich schon darüber nach, ob es je anders sein wird. Werde ich auch freundliche Leute kennenlernen? Mein Résumé: Definitiv!

 

Die Unterstützer

Das schönste am Leben ist, Familie zu haben, die immer hinter einem steht. Auf die man sich verlassen kann und die deine eigenen, individuellen Entscheidungen akzeptiert und unterstützt. Wir dürfen uns glücklich schätzen, genau solche Familien zu haben. ❤

Aber auch andere Menschen können eine Unterstützung sein.

Ja, es gibt sie. Die älteren Menschen, die es toll finden, dass man jung Mama geworden ist. Besonders in der Nachbarschaft habe ich diese nun kennengelernt. Menschen die einem sagen, dass sie es toll finden wie man das alles vereinbart und schafft. Es sind die Leute um einen herum, die einen tagtäglich sehen. Genau diese sprechen über ihre Generation. Erzählen einem wie normal es früher war jung Eltern zu werden. Natürlich hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert, doch muss das auch mit der Akzeptanz der Fall sein? Ganz klar NEIN!

In meinem Freundeskreis waren wir mit die Ersten, die ein Kind bekommen haben. Doch ich hatte das Glück, dass auch eine Freundin von mir, die mir sehr nah steht, zum selben Zeitpunkt schwanger wurde. So konnte ich mich auch mit einer gleichaltrigen austauschen. Doch waren wir wirklich die Ausnahmen? Sind junge Eltern so eine Seltenheit?

Das wollte ich wissen und entschied mich dazu einen Instagram Account zu erstellen. Was bin ich im Nachhinein glücklich, dies getan zu haben. Ich folge vielen Mamas, die meisten davon sind genauso alt wie ich. Da waren sie also die Menschen, die den gleichen Weg eingeschlagen haben. Es war wie ein Befreiungsschlag für mich, zu sehen, dass wir keine Sonderlinge sind. Der Austausch und das Lesen von Texten mir bis dato unbekannter Personen, halfen mir selbstbewusster zu werden. Mein großes Glück, ich lernte Menschen auch privat kennen und habe eine ganz wundervolle Freundin dazu gewinnen können, meine liebe Bini, die nun auch das zweite Kind erwartet. Wir studieren zusammen, besuchen dieselben Kurse und werden manchmal schräg angeschaut. Doch das werden wir zusammen und wir wissen, dass wir zwar die Minderheit am Campus sind, es sie dennoch gibt, die jungen studierenden Eltern.

 

 

Mein Fazit

Letztendlich kann ich sagen, dass mich diese negativen Erfahrungen nur noch reifer gemacht haben. Sie haben mich zwar gelehrt wie viel Intoleranz noch in unserer Menschheit steckt, doch gleichzeitig bin ich genau an dieser gewachsen. Also liebe Mamas da draußen, lasst euch niemals von solchen Erfahrungen beirren. Seid selbstbewusst und stolz darauf eine junge Mutter zu sein, die sich bewusst für ein Kind entschieden hat und genau dasselbe Recht hat als Mutter akzeptiert zu werden, wie jede andere Frau auch. ❤