Angst.
Sie fühlt sich beklemmend an.
Gar quälend.
Lässt einem manchmal kaum einen Raum zum Atmen.
Ein Gefühl das einem den Boden unter den Füßen wegreißen kann.
Eins, dass mein Leben lange Zeit kontrolliert hat.
Ich war zwei als ich das erste Mal einen „Klaps“ bekam, vier als Gegenstände zur Züchtigung dazu kamen. Das sind wohl die ersten Male gewesen in denen ich Angst verspürte. Von Jahr zu Jahr wurde die Gewalt schlimmer, die Übergriffe häufiger. Übergriffe erzeugt von Menschen denen ich vertraute und liebte: meinen biologischen Eltern.
2002 war dann wohl das einschneidendste Jahr in meinem Leben. Ich wurde missbraucht. Von meinem eigenen Vater. Über Jahre kam es immer wieder zu „kleinen Geheimnissen“ die ich niemandem erzählen durfte, denn sonst müsse er mir ja etwas antun. Gebrochen – so fühlte ich mich. Tat für Tat mehr. Innerlich zerstört. Allein. Die Dunkelheit wurde mein schlimmster Feind. Mit ihr kam die Angst. Kaum brach sie an, wurde ich panisch. Wann wird das nächste Mal sein? Kann ich heute ruhig schlafen oder wache ich wieder neben ihm auf? Wie weit wird er diesmal gehen? Ich wusste es nicht. Nie. Nach vier Jahren hörte es auf. Von jetzt auf gleich. Doch die Angst, sie blieb. Zurecht, denn nach ihm kamen zwei weitere Menschen aus dem engsten Kreise, die Dinge gegen meinen Willen taten. Die mich fühlen ließen, dass ich nur ein Objekt bin. Wertlos. Ungeliebt. Menschen die ich einst in meinem Leben liebte und vertraute. Drei Menschen, viele Verbrechen, alle nun verurteilte Sexualstraftäter. Die Angst? Sie blieb. Die Dunkelheit? Auch heute noch erdrückend. Es gibt Tage, da fühle ich mich im Dunkeln verfolgt. Als würde jemand neben mir stehen. Wie mein eigener Schatten. Andere an denen ich mich stark fühle. Als könnte ich jedem der mir zu Nahe kommt sofort ein lautes „Stop“ entgegen schreien.
Es ist nicht immer einfach mit dieser Last zu leben. Doch eins hat sich verändert: Sie kontrolliert mich nicht mehr. Nie mehr!