1960 – das Jahr der Markteinführung der Pille. Für Frauen grenzte dieses Jahr an eine Revolution. Doch damit begann auch die „Generation Pille“.


Die Antibabypille ist für viele eine einfache Möglichkeit zur Empfängnisverhütung. Allein in Deutschland ist für 80 % der Frauen zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr die Pille das Mittel erster Wahl. Das Problem unserer Generation liegt auch nicht im Mittel allein. Es liegt vielmehr in der Wahrnehmung des oralen Kontrazeptiva. Denn oft ist die Antwort auf die Frage „Warum nimmst du die Pille“: die nimmt doch jeder. Auch wird sie leider immer noch oft als Wundermittel gegen Akne verschrieben.

Nennen wir das Kind beim Namen, ist das größte Defizit der „Generation Pille“ die fehlende Aufklärung. Leider ist es immer noch eine Seltenheit, dass Ärzte über Risiken und Nebenwirkungen aufklären. Wenn ich an meinen Frauenarzt Besuch mit 15 zurückdenke, bestand die Aufklärung darin, mir zu sagen, dass ich das Medikament zu einer regelmäßigen Uhrzeit einnehmen soll und das Magen-Darm-Beschwerden die Wirksamkeit verringern. Vielmehr wurde mir versprochen, dass sich mein Hautbild durch die Einnahme verbessern wird. Das wars! Von Nebenwirkungen war nie die Rede. Es ist also kaum verwunderlich, dass viele Frauen bestimmte Symptome oder Beschwerden nicht zuordnen können.

Doch schon in den ersten Jahren der Einnahme klappte nicht alles reibungslos. Statt der wohl angeprisenen Wunderwirkungen hatte ich mit unglaublich starken Kopfschmerzen zu kämpfen. Diese wurden jedoch vom Arzt nicht sonderlich Ernst genommen und nicht unbedingt der Pille zugeschrieben. Dennoch folgte ein Pillenwechsel – ganze 4 Mal. Bis wir bei der Version mit den niedrigsten Hormonen angekommen waren. Verschwunden sind die Kopfschmerzen nie, gekommen sind dafür starke Stimmungsschwankungen und eine Zyste am Eierstock.

Bewusst geworden bin ich mir all dem aber erst nach dem Absetzen der Pille. Ganze 8 Jahre habe ich sie genommen. Tag für Tag Hormone meinem Körper zugeführt. Bis zum Zeitpunkt meiner ersten Schwangerschaft. Nach dieser war für mich der Punkt gekommen, zu entscheiden wie es weitergehen soll. Meine Entscheidung fiel mir nicht leicht. Ich habe mich beraten lassen und mich letztendlich gegen die hormonelle Verhütung entschieden. Seit 2015 heißt es also: Hormoncocktail adé.

Was hat sich seitdem verändert?

Ganz klar – Ich! Vier Jahre lebe ich nun hormonfrei und ich fühle mich vor allem eins: frei! Frei von negativen Gedanken, frei von durchgehender schlechter Laune und frei von täglichen Kopfschmerzen. Um ehrlich zu sein hat das Absetzen mein Leben durchweg positiv verändert. Lediglich meine Haut hatte einige Zeit mit der Umstellung zu kämpfen, welches aber auch den Schwangerschaften geschuldet sein kann.

Das Absetzen der Pille war eine bewusste Entscheidung, diese sollte jedoch nicht überstürzt werden. Sie kann zwar jederzeit abgesetzt werden, laut meiner Frauenärztin sollte man jedoch die Monatspackung erst einmal aufbrauchen. Auch von der Unterbrechung der Einnahme und der Wiederaufnahme wird abgeraten, da dies für den Körper durch die mehrmalige hormonelle Umstellung, eine große Belastung darstellt.

Wie verhütest du jetzt?

Eine der meist gestelltesten Fragen im näheren Umfeld. Verhütungsmethoden gibt es viele, doch nur wenige hormonfreie, die für uns in Frage kamen. Doch welche sind eigentlich die bekanntesten und wie verhält sich der Pearl Index dieser Methoden?

Disclainer Pearl Index
Der Pearl-Index ist das Beurteilungsmaß für die Sicherheit von Verhütungsmitteln: je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer die Verhütungsmethode.

Kondom

Wer kennt es nicht?

Vorteile: Kondome schützen, richtig angewendet, nicht nur vor Schwangerschaft, sondern auch vor Geschlechtskrankheiten wie beispielsweise HIV oder Chlamydien. Außerdem sind sie verhältnismäßig günstig und unkompliziert.

Nachteile: Sicherheitslücken bestehen durch Anwendungsfehler wie Fehleinschätzung der Kondomgröße oder falscher Lagerung.

Kosten: 7 Euro pro 12er Packung

Pearl Index: 2-12

Kupferspirale, Kupferkette, Kupferball

Die Wirkungsweise ist bei allen gleich: Das Kupfer verändert das biochemische Milieu in der Gebärmutter und hemmt dadurch die Beweglichkeit der Samenzellen. Wenn es ein Spermium trotzdem bis zur Eizelle schafft und sie befruchtet, kann sich diese aufgrund des mechanischen Hindernisses durch die Spirale nicht in der Gebärmutter einnisten.

Vorteile: Es muss sich mehrere Jahre (ca. 5) nicht um die Verhütung gekümmert werden.

Nachteile: Der medizinische Eingriff kann unangenehm sein und stellt wie jede kleine Operation eine Belastung für den Körper dar. Frauen mit Spiralen leiden häufig unter verstärkten Menstruationsbeschwerden. 

Kosten: 200 – 400 Euro

Pearl Index: 0,3 – 0,8

Kalendermethode

Bei der Kalendermethode wird die Periode dokumentiert und darauf basierend die fruchtbaren Tage errechnet. Voraussetzung hierfür ist ein regelmäßiger Zyklus.

Vorteile: Die Methode lässt sich praktisch in den Alltag einbauen und kostet nichts.

Nachteile: Je nach körperlicher Verfassung und äußeren Faktoren wie zum Beispiel Stress kann der Zyklus schwanken und sich der Eisprung so nicht immer genau errechnen lassen.  

Kosten: Keine

Pearl Index: 9

Symptothermale Methode

Bei dieser Methode kombinierst Du die Messung Deiner Basaltemperatur mit der Auswertung von Zervixschleim bzw. Muttermund. Die Körpertemperatur und die Flüssigkeit aus der Scheide. Diese sind Indikatoren für den Zeitpunkt Deines Eisprungs und Deiner Fruchtbarkeit. Je nach Fruchtbarkeitsstatus kannst Du entweder unbeschwerten Geschlechtsverkehr mit Deinem Partner haben oder beispielsweise Kondome anwenden.

Vorteile: Durch das genaue Beobachten des eigenen Körpers auf verschiedenen Ebenen gewinnen Frauen ein umfangreiches Körperbewusstsein und -gefühl.

Nachteile: Die Methode erfordert Disziplin und einen einigermaßen regelmäßigen Tages- und Nachtrhythmus. Äußere Faktoren wie Schlaf, Medikamente, Alkoholkonsum etc. sollten immer mit einberechnet werden.

Kosten: je nach Anbieter 12 (Basalthermometer) – 300 Euro (Trackle, Ava, Cyclotest, etc)

Pearl Index: 0,4

Symptothermale Verhütung mit Trackle

Der „Trackle“ – ein juges Start-Up soll die natürliche Verhütung leichter machen. Hierbei geht es darum, innerhalb des Zyklus kontinuierlich die Körpertemperatur zu messen und unterschiedliche Symptome zu beobachten und auszuwerten.

Doch was ist der Trackle eigentlich? Bestehen tut er aus einer Kapsel, die in medizinisches Silikon gegossen ist. Außerdem hat er eine „Schlaufe“ die das Ein- und Ausführen erleichtern soll. Der Trackle wird über Nacht vaginal getragen wie ein Tampon. In dieser Zeit misst er kontinuierlich die Körpertemperatur und sendet die gemessenen Daten drahtlos per Bluetooth am Nächsten Tag an die Station wenn er drauf gestellt wird. Das System wertet daraufhin die Daten aus und stellt das Ergebnis in der App zur Verfügung. Außerdem können Symptome und Beobachtungen eingetragen werden um sicher den Zyklusstatus zu errechnen.

Durch diese Methode erreicht der Trackle einen Pearl Index von 0,4 und soll somit genauso sicher sein wie die Pille, nur eben ohne Hormone.

Was kostet der Trackle? er Sensor kostet 199 Euro, lässt sich für zwei Jahre nutzen und muss danach ausgetauscht werden. Jedoch bietet Trackle mehrmals im Jahr auch tolle Angebote an, bei dem ihr ihn vergünstigt erwerben könnt.



Unsere Entscheidung

Wir haben uns für eine Mischung aus der Symptothermalen Methode und dem Kondom entschieden.
Hierbei greife ich seit Kurzem auf den Trackle zurück, welcher mir kostenlos zum Testen zur Verfügung gestellt wurde. Am Ende meines Tests werde ich euch noch einmal berichten.
Für uns ist dieser Weg absolut der Richtige. Seitdem ich mich für die Symptothermale Methode entschieden habe lerne ich meinen Körper viel besser kennen und nehme Veränderungen deutlich wahr. Der Vorteil ist also nicht nur hormonfrei zu leben, sondern auch ein besonderes Körpergefühl zu entwickeln und sich mit sich selbst mehr zu befassen.

Nun zu euch: Welche Erfahrungen habt ihr mit Der Pille und anderen Verhütungsmethoden gemacht? Habt ihr euren Weg schon gefunden oder probiert ihr euch noch aus?